Eine Auswahl unserer Produktionen

Rudolf Buchbinder

Auf der Suche nach Vollendung

 

 

Er war immer der Jüngste, der Begabteste, das Wunderkind. Im Dezember 2016 wurde Rudolf Buchbinder 70 Jahre alt. Heute sagt er: „Je älter ich werde, desto nervöser bin ich vor einem Konzert. Denn die Latte, die man sich selbst legt, wird immer höher. Am Ende meiner Karriere möchte ich den Gipfelpunkt meiner pianistischen Laufbahn erleben.“ Bescheiden ist das nicht, doch es scheint ihm zu gelingen. Früher wurde ihm fälschlicherweise Oberflächlichkeit nachgesagt, heute kann er sich aussuchen, wo und mit wem er musizieren möchte – es sind die besten Adressen der internationalen Klassikwelt. Und er hat seit 10 Jahren „sein“ eigenes Festival: Grafenegg in Niederösterreich, mittlerweile ein hell leuchtender Fixstern unter den hochkarätig besetzten Sommerfestivals in Europa.

 

Der Film porträtiert den Wiener Pianisten von Weltgeltung und seine tiefe Beziehung zu den Werken „seiner“ Klassiker, mit denen er sich tagtäglich auseinander setzt. Die Dokumentation begleitet den Musiker auf eine seiner zahlreichen Auslandsreisen, folgt dem erfolgreichen Intendanten, der die größten Stars der Musikwelt nach Grafenegg bringt; und ist dabei, wenn er und Ehefrau Agi Freunde zum Essen einladen und Buchbinder bei dieser Gelegenheit eine unerwartete Ehrung zu Teil wird: die Ehrenmitgliedschaft bei den Wiener Philharmonikern.

 

In langen, im Laufe von mehreren Wochen geführten Gesprächen mit Regisseur Thomas Macho erzählt der Künstler von seinen Anfängen als Wunderkind, das seine Begabungen im Musikverein ebenso ausprobierte, wie in Wiener Piano-Bars; von seinem Alltag als Konzertpianist von Weltruf und den jährlichen Tourneen durch sämtliche Kontinente; von seinen Seitensprüngen als Dirigent und seinem Umgang mit Kritikern; und von seiner Jahrzehnte dauernden Beschäftigung mit Beethoven, Mozart, Brahms & Co und dem Ringen um eine vollendete Interpretation.

 

Neben Rudolf Buchbinder kommen in dem Film Wegbegleiter zu Wort, jeder selbst ein Weltstar: Mariss Jansons, Christian Thielemann, Andris Nelsons, Waleri Gergijew, Franz Welser-Möst und Zubin Metha. Mit ihnen allen hat Buchbinder konzertiert, CDs aufgenommen, sämtliche Erdteile bereist und die Geheimnisse der Musik erforscht. Und Otto Schenk, der in einer launigen Ansprache seine Verehrung für seinen „alten Freund Rudi“ zum Ausdruck bringt.

 

Erstausstrahlungstermin: 4.12.2016, 9h30, ORF2

Die letzte Salonière

 

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Ein Porträt von Christiane Schönborn-Buchheim, 89, mit deren Familie große Namen der österreichischen Wirtschafts- und Kulturgeschichte verknüpft sind: Sie ist die Tochter des Großindustriellen und Mäzens Manfred Mautner-Markhof, ihre Mutter ist eine Kupelwieser, Nachfahrin des malenden Schubert-Freundes Leopold und des visionären Entwicklers des k.u.k.-Luxusressorts auf der Insel Brioni, Paul. Ihr Vater führte ein großes Haus, Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Kunst gingen bei ihm ein und aus. Mittendrin: die kleine Christiane. Schon als Kind machte sie Bekanntschaft mit Richard Strauss, später spielte Herbert von Karajan für sie am Klavier zum Tanz auf.
Die Tradition des Musiksalons führt Christiane Schönborn-Buchheim bis heute fort: Monatlich finden sich junge Top-Künstler bei ihr in der Wiener Innenstadt ein, um vor einem bunt gemischten Publikum Hausmusikkonzerte zu veranstalten. Bei diesen Salons auftreten zu dürfen, gleicht einem Ritterschlag.

 

Die letzte Salonière

Dokumentation, 44 Minuten, Sendung am 26.10. 2016, 9h05, ORF 2,

seither 4 Wiederholungen in 3SAT und ORF III

 

 

 

Schikaneder

Prinzipal, Papageno, Weiberheld

 

 

Er war Schauspieler, Sänger, Textdichter, Theatermagier und unverbesserlicher Weiberheld: Emanuel Schikaneder, Librettist der „Zauberflöte“ und Begründer des Theaters an der Wien.

Der Kaiser jubelte ihm ebenso zu, wie Bauern, Bürger und Bischöfe. Er war der Freund Mozarts und schuf mit ihm das unvergängliche Meisterwerk des deutschen Singspiels, „Die Zauberflöte“. Er gastierte in halb Europa und war der größte Theaterstar seiner Epoche. In „seinem“ Theater an der Wien brachte er zahllose Werke Beethovens zur Uraufführung, darunter auch „Fidelio“.

Sein Erfindungsreichtum bei Bühnentechnik und sein Gespür für das Unterhaltungsbedürfnis der Menschen im Zeitalter der Aufklärung machten ihn  steinreich – dennoch verstarb er verarmt und umnachtet.

 

Mit dem großartigen, jungen Burgschauspieler Sebastian Wendelin drehten wir in Schikaneders Theater an der Wien, um dieses fantastische Leben voll unglaublicher Triumphe und bitterster Niederlagen nachzuzeichnen. Und wir versuchen eine Antwort auf die Frage: Wie konnte ein Mann aus einfachsten Verhältnissen, der Sohn einer Magd und eines Dienstboten aus tiefster Provinz zum bedeutendsten Theatermacher seiner Zeit werden; wie konnte er ein Kunstwerk wie die „Zauberflöte“ erschaffen; und wie konnte er schließlich das größte und fortschrittlichste Theater des damaligen Europa errichten lassen.

 

Schikaneder, Spiel-Dokumentation, 45 Minuten

Sendung am 27.9.2016, 21.05 Uhr, ORF III

 

 

Katies Sommerfrische

Eine Nostalgie-Talk-Show in Bewegung

 

Die Gastgeberin

Katharina Straßer ist in vielen Metiers zu Hause: auf zahlreichen Bühnen dieses Landes, in TV-Serien und Filmen, in Fernsehshows, im Kino, Kabarett und im Musiktheater. Sie hat daher mit den meisten Kolleginnen und Kollegen schon gearbeitet und ist mit vielen von ihnen wohl auch schon mal um die Häuser gezogen. Das und dazu ein ebenso schnelles wie temperamentvolles und loses Mundwerk prädestinieren sie für eine Talk-Show-Masterin, die ihren Gästen Antworten entlockt, nach denen sich andere nicht einmal zu fragen trauen.

 

Die Gäste

Katie besucht Martina Ebm am Mondsee, wandert mit Miguel Herz-Kestranek über die Rax und radelt mit Angelika Niedetzky durch’s Weinviertel.

Sendung am 22.8. und am 28.8.2016, ORF2

 

 

Hier ist ein Mensch: PETER ALEXANDER

Ein Film über den grössten Entertainer des deutschen Sprachraums.

(Doku, 93 Minuten, im Auftrag von ORF, ZDF und SRF)

 

 

Peter Alexander – der Name steht für Große Musikshow, ist Synonym des guten deutschen Schlagers und Garant für Qualität. Seine Filme waren im Kino Kassenmagneten, seine TV-Shows erreichten astronomische Einschaltziffern und seine Lieder sind schon zu seinen Lebzeiten Evergreens für Generationen geworden.

Weihnachten 1995 war seine letzte große Show im TV zu sehen, ein Jahr später feierte er seinen 70. Geburtstag mit einem Fernseh-Special, danach hat sich der bedeutendste Entertainer des deutschsprachigen Raums – konsequent wie kein anderer – ins Privatleben zurückgezogen. Dieses Privatleben, sein Rentnerdasein war ihm heilig. Da war er „der Peter“, da konnte er endlich Peter Neumayer sein.

Der Film „Hier ist ein Mensch“ zeigt den umjubelten Star noch einmal in vielen seiner glanzvollen Auftritte: Seine Hits, seine Filme, seine längst zu Kult gewordenen Parodien („Was bin ich?“, „Die Royals“) und die legendären Ausschnitte aus den großen Shows mit Stars wie Vico Torriani, Caterina Valente, Wencke Myhre, Bibi Johns, Gunther Philipp, Ivan Rebroff, Mireille Matthieu, Karel Gott, Udo Jürgens, Tom Jones, Christa Ludwig, u.v.a. – „Peter der Große“, wie wir ihn alle kennen und lieben gelernt haben.

 

Aber bei all dem Bekannten, Beliebten und Erwarteten stellt der Film auch die Frage: Wer war dieser Peter Alexander eigentlich wirklich, wer war Peter Neumayer? Und entdeckt eine ganz neue, völlig unerwartete Seite des Entertainers: Etwa, dass für Peter Alexander die Idee von der „Heilen Welt“, die er in seinen Liedern und Shows so eindringlich beschworen hat, nicht nur eine billige Verkaufs-Masche war. Abseits von Kameras und Presse hat er beträchtliche Summen gespendet, für Forschung auf dem Gebiet der Intensivmedizin für Säuglinge am AKH oder für Schulen im Kongo oder im Süd-Sudan. Zu Lebzeiten war ihm wichtig, dass niemand, nicht einmal die Begünstigten, von dieser Wohltätigkeit erfuhr. 2016, fünf Jahre nach seinem Tod, ließ die Stiftung, die Peter Alexander für diese Zwecke gründete, erstmals einen Blick auf dieses bislang unbekannte Erbe des großen Entertainers zu.

 

Nur einige wenige Vertraute, hatten das Privileg, diesen so vielschichtigen Menschen aus der Nähe kennen zu lernen. Für „Hier ist ein Mensch“ treten diese Zeugen vor die Kamera: In erster Linie sind das die Enkelkinder Lena und Philipp – sie haben den Opa wohl am unmittelbarsten und von seiner intimsten Seite erlebt. Aus nächster Nähe offenbart sich diese Seite des Herrn Neumayer auch in bislang unveröffentlichtem privaten Material, das der begeisterte Hobbyfilmer Peter Alexander im Kreise seiner Familie oder auf Reisen mit seiner Schmalfilmkamera aufgenommen hat. In „Hier ist ein Mensch“ erlebt dieses Material seine TV-Premiere.

Weitere Interviewpartner: Sein Produzent & langjähriger Freund, der kürzlich verstorbene Wolfgang Rademann, seine Bandleader und Arrangeure Diether Reith und Robert Opratko; seine früheste Bühnenpartnerin, Waltraut Haas; Musiker aus Peter Alexanders Anfangszeit, wie Toni Stricker und Hans Salomon; Filmpartnerin Bibi Johns, Regisseur Peter Weck, Opernstar Christa Ludwig, Produzent Ralph Siegel und Song-Texter Michael Kunze. Sie alle erzählen aus ihrer Perspektive „hinter den Kulissen“ , vom ungeschminkten Peter, vom Künstler und seiner Arbeit.

Und da ist jene sehr kleinen Gruppe von Menschen, die Peter Alexander auch dann noch in seine Wiener Villa einlud, als er nur mehr der Pensionist Neumayer sein wollte: der Starpianist Rudolf Buchbinder oder die Schauspieler Marianne Mendt und Erwin Steinhauer. Mit ihnen konnte er blödeln, gut essen und trinken, jazzen – ganz einfach so sein, wie er wirklich war. So wird im Spannungsfeld zwischen dem Glamour großer Showbühnen und der Stille der Wiener Weinberge die Geschichte eines Mannes sichtbar, der im wirklichen Leben vieles ganz anders gemacht hat als es vielleicht seine viel berühmtere Bühnen-Figur gemacht hätte. Hier ist wirklich ein Mensch: Peter Alexander!

Ausstrahlungstermine:

29. Juni 2016, 20h15, ORF2

3. Juli 2016, 10h30, ZDF

31. Oktober 2016, ORF III

Benatzky!

Musikfilm, 60 Minuten
Mit Dietrich Siegl, Erwin Steinhauer, Katharina Straßer, Florian Teichtmeister sowie den Playbackdolls und dem Salzkammergut Salonquintett.

 

Präsentation des Filmes im Theater i.d. Josefstadt, August 2015

August 2015, Präsentation des Filmes im Theater i.d. Josefstadt:

Erwin Steinhauer, Katharina Straßer, Thomas Macho, Tini Trampler,

Florian Teichtmeister, Martin Traxl

 

Er schuf eines der am häufigsten aufgeführten Bühnenwerke überhaupt: „Das Weiße Rössl“. Doch obwohl dieses Werk das einzige ist, das ihn vor dem Absturz in die Vergessenheit bewahrt, hasste er diese Mischung aus Revue und Singspiel. Denn seinem Urteil nach gehörte das „Rössl“ zu seinen schwächeren Arbeiten. Und Benatzkys Urteil war meist zutreffend: Egal ob er über andere oder über sich selbst her zog, er war ein knallharter Kritiker mit klarem Blick für das Wesentliche. Und wenn man seine großteils vergessenen, zahllosen Chansons, Singspiele und Operetten hört, muss man zugeben: „Das Weiße Rössl“ war bestimmt nicht Benatzkys Meisterwerk.

 

Benatzky war ein absoluter Vielschreiber, er komponierte geradezu im Akkord. In nur wenigen Tagen (9 war sein Rekord!) konnte er das Libretto und den kompletten Klavierauszug für ein abendfüllendes Werk schreiben. Dass von den unglaublich vielen Operetten, Singspielen, Revuen, Filmmusiken, Liedern und Chansons nur so wenige überlebten, liegt ganz sicher nicht an der Qualität der Werke.

 

Diesen Beweis anzutreten, ist eine wesentliche Aufgabe des Projektes.
„Bezauberndes Fräulein“, „Meine Schwester und ich“, „Axel an der Himmelstüre“ (ein Werk, für das er Zarah Leander entdeckte) oder „Der König mit dem Regenschirm“ sind Operetten, die in ihrem lässigen Musikstil und in ihren teils sehr bissig-satirischen Texten (Benatzky schrieb seine Libretti meist selbst) an die besten Werke Offenbachs heranreichen.

 

„Und die Beine, ach Luise, die im sanften Rund sich biegen, nannt’ Romanbeine ich scherzend. Weißt Du`s noch?
Denn am Anfang glaubt man immer, dass die Zwei sich niemals kriegen, gegen’s Ende aber kriegen sie sich doch.“ (aus „Bezauberndes Fräulein“)

 

60 Minuten, Koproduktion FOR TV/ORF/WDR, gefördert aus Mitteln des Fernsehfonds Austria, FilmfondsWien und der Kulturabteilungen der Länder OÖ und NÖ.

 

Sendung am 06.09.2015, 9.35Uhr, ORF2

Erstausstrahlung im WDR am 08.05.2016 um 9.25Uhr

 

Filmausschnitt: Erwin Steinhauer singt „Ach Luise“
Filmausschnitt: Katharina Straßer singt „Ich steh im Regen“
Filmausschnitt: Die Playbackdolls singen „Um das bisschen Liebe“

 

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CD zum Film bei duo-phon records/Berliner Musenkinder erschienen.

Von Mensch zu Mensch: Das Spital im Busch

Im Sommer 2009 fasste der aus Nigeria gebürtige Pfarrer von Ober Grafendorf (NÖ), Emeka Emeakaroha, einen Plan: Er wollte in seiner Heimatgemeinde Umunohu in Ostnigeria ein Spital für die medizinisch völlig unterversorgte Bevölkerung errichten. Im Februar 2013, kaum 4 Jahre später, ist aus der Ankündigung Wirklichkeit geworden: Das Spital steht, finanziert ausschließlich durch Spenden aus Österreich; das meiste Geld stammt aus Emekas Gemeinde und der Umgebung sowie aus der Fastenaktion der Diözese St. Pölten. Es lässt sich also mit Fug und Recht sagen, dass Österreich den zehntausenden Bewohnern eines nigerianischen Bezirkes ein Spital geschenkt hat: samt funktionierenden OP-Räumen, Betten und Personal. Im Jänner/Februar 2013 reiste Pfarrer Emeka mit 25 freiwilligen Helfern nach Nigeria, um das Spital in Betrieb zu nehmen. All diese Menschen bezahlten den Flug aus der eigenen Tasche, sie mussten drei Wochen Urlaub opfern, um unter widrigsten hygienischen und klimatischen Bedingungen fremden Menschen zu helfen. Sie waren dabei großen physischen, aber auch psychischen Belastungen ausgesetzt – die Armut und die Krankheiten sind nicht leicht zu ertragen. Was motiviert diese Menschen? Warum wollen sie unbedingt helfen? Die Dokumentation begleitet diese Gruppe von Helfern von Österreich nach Nigeria, beobachtet sie bei ihrer schwierigen Arbeit und ist dabei, wenn Emekas Buschspital im Beisein vieler Würdenträger, u.a. einem Nigerianischen Bischof, eröffnet und von den österreichischen Helfern in Betrieb genommen wird!

Länge: 25 Min., Ausstrahlung am 06.01.2014, 17.25 Uhr, ORF2

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Patientinnen in der Warteschlange

Leo Fall – Vergessenes Enfant Terrible der Wiener Operette

Im Juni 2012 bringt die Wiener Volksoper die Neuinszenierung von „Madame Pompadour“ heraus, in der Titelrolle Starsopranistin Annette Dasch. Dies ist der Anlass für ein 45minütiges Porträt des etwas in Vergessenheit geratenen Komponisten: Leo Fall, Spross einer jüdischen Familie aus Holesov in Südmähren.

Zu seinen Lebzeiten war Fall ebenso berühmt, begehrt und viel gespielt, wie seine Konkurrenten Lehar und Kalman: „Die Dollarprinzessin“, „Der fidele Bauer“, „Die Rose von Stambul“ – das sind die noch heute bekannten Welterfolge. Sie wurden von Berlin bis New York und von London bis Buenos Aires aufgeführt und brachten ihrem Schöpfer Ruhm und sehr viel Geld ein. Von den Tantiemen der Dollarprinzessin ließ Fall die riesige Villa in der Lainzer Strasse (Wien Hietzing) errichten; er war einer der Ersten, der in Wien ein Automobil besaß; seine Frau Bertha trug die teuersten Pelze und ließ ihr gemeinsames Heim mit den teuersten Accessoires ausstatten; Freunde wurden mit den ausgesuchtesten Delikatessen bewirtet; und wenn er nicht komponierte, vergaß sich Leo Fall beim Glücksspiel – und verlor dabei Unsummen.

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Katharina Straßer singt Leo Fall

Dass Falls Werk heute nur mehr selten gespielt wird, hängt wohl mit seinem frühen Tod zusammen: 1925 starb er im Alter von nur 52 Jahren; Fall hatte mit seiner Frau Bertha auch keine Kinder – aber er hatte eine uneheliche Tochter, deren Nachfahren heute in alle Winde verstreut leben. Für dieses Porträt haben wir sie vor die Kamera gebeten. Und Jungstar Katharina Straßer zeigt, wie frivol Leo Falls Musik klingen kann.

Sonntagsmatinee, 23. Septebember 2012, ORF2, Oktober 2012, WDR

Ein Kuss macht Kasse

2012 feiert Österreich den 150. Geburtstag von Gustav Klimt. Klimt-Ski, Klimt-Barbie-Puppen, Klimt-Polster, Klimt-Bonbonnieren, ein Klimt-Musical – das Geschäft mit Klimt boomt, die Tourismusindustrie zwischen Wien und dem Attersee (Klimts Sommerfrischedomizil) verspricht sich Umsatzrekorde. Wir begeben uns auf eine filmische Schnitzeljagd von Wien nach Südchina (wo man preisgünstige Klimt-Kopien in Auftrag geben kann), weiter nach Oberfranken (da werden Klimtbilder als 3D-Porzellanfiguren hergestellt), an den Attersee (Klimt-Pralinen!) und wieder zurück nach Wien, wo das ein Klimt-Hotel, ein Klimt-Altersheim und mehrere Klimt-Ausstellungen zu besichtigen sind. Stärken kann man sich schließlich mit Sezessionsnockerln aus dem Klimt-Kochbuch.
Zu Wort kommt ein Enkel des Künstlers, Gustav Zimmermann, der dem Treiben ziemlich fassungslos gegenüber steht.

 

artgenossen, ORF und 3SAT, 14. Juli 2012, 30min

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Slatin Pascha

Rudolf Slatin, Sohn eines Wiener Seidenfärbers, war 21 Jahre alt, als er in die Dienste von General Charles Gordon, britischer Statthalter von Äquatoria, eintrat. Äquatoria umfasste damals Ägypten und den Sudan. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurde der abenteuerlustige Wiener zum Herren über Darfur – ein riesiges Territorium im Westen des Sudan, so groß wie Frankreich.

 

Anfang der 80er-Jahre brach im Sudan der Aufstand des Mahdi aus: Eine fundamentalistisch geprägte Revolution fegte über das Land, die Truppen des Mahdi eroberten die Hauptstadt Khartoum. 1883 geriet Rudolf Slatin in die Hände des Mahdi – für die nächsten 12 Jahre sollte er der prominenteste Gefangene des Nachfolgers des früh verstorbenen Mahdi bleiben: des Diktators Al-Khalifa.

 

Nach 12 endlosen Jahren schließlich – im Jahr 1895 – gelang Slatin mit Hilfe des britischen Geheimdienstes eine ebenso waghalsige wie spektakuläre Flucht: Durch viele hundert Kilometer trockenster Wüstengebiete, verfolgt von den wütenden Schergen des Khalifa, gelangte er – erschöpft und abgerissen – endlich nach Assuan, in ein von den Engländern kontrolliertes Gebiet.

 

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Die Nachricht von diesem Abenteuer verbreitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa. Der kleine Wiener Leutnant wurde über Nacht zum Superstar: Slatin Pascha war geboren! Europäische Zeitungen berichteten in riesigen Schlagzeilen von Slatins jahrelangem Aufenthalt unter arabischen Aufrührern, sein propagandistisches Buch „Feuer und Schwert im Sudan“ wurde zu einem europaweiten Bestseller und brachte seinem Verfasser Reichtum und Ruhm ein. Queen Victoria lud Slatin Pascha regelmäßig auf ihre Schlösser, er avancierte zum Brigadegeneral und wurde sowohl von der Queen als auch von Kaiser Franz Joseph geadelt.

 

Von 1900 bis 1914 war Slatin – als ranghöchster Nichtbrite in Diensten des Empire – Vizegouverneur des Sudan und trug so wesentlich zur Entstehung des heutigen Staatsgebildes bei.

 

Slatins Enkel George Galitzine besucht 2010 die Nachfahren des Mahdi und des Khalifa und folgt damit einer schriftlichen Einladung, die noch aus jener Zeit stammt, als Rudolf Slatin Geisel des Khalifa in Omdurman war.

 

Kinoproduktion in Zusammenarbeit mit FISCHER FILM Wien/Linz.
Finanziert aus Mitteln des ÖFI, filmfonds-wien und ORF
PRODUKTIONSBEGINN NOVEMBER 2009, Dreharbeiten im Sudan, im Tschad und in GB. Kinostart 30.6.2012.

Diagnose: Unheilbar

Venedig, März 2011: Karneval, tausende Masken, eine der beeindruckendsten: ein riesiger schwarzer Engel. Unter der Maske steckt die Daniela Schmid, 42, aus Niederösterreich. Zum 4. Mal tritt Daniela in Venedig als Maske auf, jedes Mal umschwärmt von zahllosen Photographen. Was die Bewunderer nicht ahnen: Daniela ist seit 17 Jahren HIV-positiv, angesteckt von ihrem damaligen Freund. Der war Bluter und wurde selbst durch eine Blutkonserve mit dem Virus infiziert.

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Als die Diagnose gestellt wurde, stand die Krankheit noch im Schmuddeleck, wurde mit Drogensucht und Homosexualität gleichgesetzt, galt als Todesurteil.
4 verschiedene Medikamente muss Daniela täglich einnehmen, der Mix schlägt sich auf den Magen und aufs Gemüt. Kein Job, keine eigenen Kinder, wenig Geld – ein reduziertes Leben, dem Daniela vor einigen Jahren ein Ende setzen wollte. Die Vorbereitungen auf Venedig und der Auftritt als Maske sind für sie lebenswichtig.

 

Daniela empfindet ihr Schicksal auch als Verantwortung: Sie geht in Schulen und erzählt Jugendlichen von der Krankheit, von ihrem Leben. Denn das Wissen über die Ansteckungsgefahren scheint trotz jahrzehntelanger Aufklärung noch immer nicht selbstverständlich – immer noch wird Daniela mit Ablehnung und diffusen Ängsten konfrontiert.

 

Eines von drei Schicksalen unheilbar kranker Menschen, die „Am Schauplatz“ porträtiert.

 

„Am Schauplatz“, 25.11.2011, 30min

Familie Indiana Jones

Wenn sie mit ihrer 6-jährigen Tochter durch die engen Gassen von Selcuk spaziert, würde niemand vermuten, dass sie die Chefin eines riesigen Wissenschaftsbetriebes ist: Sabine Ladstätter, 42, wurde vor drei Jahren zur Leiterin von Ephesos, Österreichs größter archäologischer Grabung, bestellt. Damit übernahm sie den prestigeträchtigsten Job, den die Österreichische Archäologie zu vergeben hat. Und das kam einer Revolution in dem höchst konservativen Milieu gleich: Sie sei viel zu jung, hieß es, außerdem eine Frau (die erste in 115 Jahren!) und obendrein zu unerfahren.

 

Etwa 250 internationale Wissenschaftler pro Saison forschen unter ihrer Leitung, dazu kommt das Hilfspersonal für die Grabungen und das geräumige Grabungshaus. Ein Budget von rund 800.000.- Euro pro Jahr hat Sabine Ladstätter zu verwalten. Schon als Kind, so erzählt sie, habe sie in der Sandkiste ihren Cousin zu „Grabungen“ kommandiert. Mittlerweile ist die Sandkiste also ganz schön groß geworden. Meist an Ladstätters Seite: Ihre kleine Tochter Hemma, die das Leben im Grabungshaus mit kindlicher Begeisterung genießt. Hemma zählt mittlerweile zu den „Routiniers“ vor Ort. Seit ihrem 2. Lebensjahr verbringt sie die Monate Mai bis Oktober in Selcuk (nahe Izmir), in dem sich das Grabungshaus befindet. Während Mama Grabungen überwacht, Touristen herumführt, Streitigkeiten schlichtet, neue Projekte plant oder Gäste begrüßt, verbringt Hemma den Tag mit ihren türkischen Freundinnen. Natürlich spricht sie längst fließend Türkisch. Und dann ist da ja auch noch der Papa, Helmut Schwaiger, Steirer und ebenfalls Archäologe. Sabine ist also nicht nur seine Partnerin, sondern auch seine Chefin – Familie „Indiana Jones“ sozusagen, mit umgekehrten Vorzeichen allerdings.

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Dr. Barbara Horejs am Grabungsareal: Ein Blick auf 8000 Jahre Menschheitsgeschichte

 

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Familie Indiana Jones: Dr. Sabine Ladstätter, Tochter Hemma, Helmut Schwaiger

Neben Dr. Ladstätter leiten zwei weitere junge Frauen die Grabungen: Mag. Lili Zabrana, 31, hat soeben ein bislang unbekanntes Theater entdeckt; und Dr. Barbara Horejs, 34, forscht auf einem uralten Siedlungshügel nach den Ursprüngen unserer Zivilisation: 8200 Jahre alte Knochensplitter, Holzkohlepartikel und Samenreste erzählen vom Leben der Menschen in der Steinzeit.

 

„Aus dem Leben“/ ServusTV, Erstausstrahlung im August 2011, 30min

Die Erben des Schattenfängers

Das südlichste Museum der Welt befindet sich in dem winzigen Ort Puerto Williams im chilenischen Teil Feuerlands. Und es ist einem Österreicher gewidmet: dem Steyler Missionar Martin Gusinde, der zwischen 1918 und 1924 mehrere Forschungsreisen nach Feuerland unternahm, um dort die dem Untergang geweihte Kultur der Feuerlandindianer zu studieren und in faszinierenden s/w-Fotografien zu dokumentieren. Gusinde lebte monatelang mit diesen Seenomaden in der unwirtlichen Natur des äußersten Südens Lateinamerikas, er wurde sogar in den Stamm der Yamana aufgenommen.

 

Heute, im 21. Jh., ist der Orden der Steyler Missionare immer noch sehr stark in Chile vertreten, sein „linker“ Flügel steht noch immer auf Seiten der Indianer. Nur ist es heute das Volk der Mapuche, das unter Ausgrenzung, Enteignung und Marginalisierung zu leiden hat. Fernando Diaz ist Professor für Missionswissenschaften in Temuco/Chile, den Großteil seiner Arbeitskraft widmet er der Verbesserung der Lebenssituation der Mapuche. Gemeinsam mit ihnen führt er einen entschlossenen Kampf gegen die Willkür der chilenischen Staatsmacht und sucht dabei nach neuen Wegen der Mission: „Wir sollten uns fragen, ob wir als Kirche genügend Mut und Großmut haben, die indigenen Völker auf ihrem befreienden Weg nicht nur zu begleiten, sondern auch den indigenen Kirchen zu helfen, mit Blick auf ihre eigenen Kulturen zu einer echten Erneuerung zu werden, zu einer Bereicherung der Universalkirche.“

 

Ein Dokumentation zum Ausklang des „Jahres der indigenen Völker“.

 

„kreuz&quer“, 28.12.2010, 35min

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Dirk Stermann präsentiert: Österreich sucht den Superdialekt

Zu viele Deutsche an Österreichs Universitäten? Österreichische Buchverlage, die von der deutschen Konkurrenz überrollt werden? Die Übermacht deutscher Privatsender gegen den ORF? Damit muss endlich Schluss sein!

 

Österreich benötigt ein einheitliches, klar erkennbares Sprachbild: Um sich vom deutschsprachigen Ausland abzugrenzen, um österreichische Identität zu stärken und um mit eigenständiger Mund-Art das TV-Publikum zielgerichteter binden zu können.

 

Aber welcher der vielen Dialekte des Landes soll nun die neue Staatssprache werden?

 

Um diese Frage zu klären, findet der Wettbewerb (und eben nicht die „Castingshow“!) „Österreich Sucht Den SUPERDIALEKT“ statt: 10 Vertreter aus allen Bundesländern werden in ihrer Heimatgemeinde vorgestellt, ehe sie auf der Superdialekt-Bühne (ein Stadl im Herzen Österreichs, im oberösterreichischen Gosau) ihre Mundart vertreten müssen.

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Dirk Stermann und Kandidaten

Übersetzt wurden Szenen aus dem Kanon der österreichischen Theaterliteratur („König Ottokars Glück und Ende“ auf Lustenauerisch, „Herr Karl“ auf Stubaierisch), Teile der Bundesverfassung (der Artikel 7 auf Kärntner Deutsch), es gibt eine nie gehaltenen Rede des Finanzministers in der Ui-Mundart (NÖ), tiefsinnige Laura-Rudas-Zitate auf Kärntner Slowenisch oder einen Dialog Strache-Dörfler auf Burgenland-Kroatisch und Pongauerisch.

 

Präsentiert und moderiert wird „Österreich Sucht Den SUPERDIALEKT“ von einem (neutralen) Deutschen: von Dirk Stermann.

 

Und da es sich um eine Veranstaltung von staatstragender Bedeutung handelt, darf natürlich auch der Herr Bundespräsident (in Gestalt von „Maschek“ Peter Hörmannseder) nicht fehlen: Er spricht einleitende Worte und wird schließlich am Ende der Sendung verkünden, welcher Dialekt Österreichs neue Staatssprache werden soll.

 

Abgestimmt wird per Internet.

 

Für den Musikteil sorgt das (Wienerlied)-Trio „Lepschi“ mit Krimi-Autor Stefan Slupetzky („Der Lemming“).

 

„artgenossen“, 25.10.2010, 45 min

Gnadenlos genial – Erich Sokol

Er war gerade mal 24 Jahre alt, als er 1957 Cartoonist des Playboy wurde. Mit 27 feierte ihn die Wiener Arbeiterzeitung als einen der besten österreichischen Karikaturisten. Wenig später wurde er zum Art Director des ORF bestellt: Erich Sokol (1933 – 2003) gilt als einer der profiliertesten und international renommiertesten Zeichner, Karikaturisten und Cartoonisten Österreichs.

 

Am bekanntesten und bis heute stilbildend für viele seiner Nachfolger sind die großen, farbigen Porträts der Celebrities des österreichischen Kultur- und Politkanons. Mit unbestechlichem Blick für’s Wesentliche charakterisierte Sokol seine „Opfer“ liebevoll und gnadenlos zugleich, sodass manches Porträt „echter“ wirkt, als das Original.

 

Für den ORF entwarf er das gesamte Corporate Design – inklusive Silberfarbe und bis heute unverändertem „ORF-Auge“: Ende der 60er-Jahre eine für österreichische Verhältnisse erstaunliche Pioniertat.

 

„artgenossen“ zeigt neben seinen Arbeiten aus vier Jahrzehnten auch den Menschen Erich Sokol: einen Künstler voller Selbstzweifel, Lebemann und Familienvater, Schmähbruder der legendären „Gutruf“-Clique und Arbeitstier. Zu Wort kommen u.a. sein Zwillingsbruder Alfred, sein Chef bei der AZ, Franz Kreuzer, Gutruf-Zechgenosse Teddy Podgorski, Freundin Kitty Kino, Hannes Androsch und Tochter Johanna.

 

artgenossen, 12.4.2010, 30 min.

Der Missionar aus Afrika

Wer den Kaplan von Ober Grafendorf besucht, dem fällt in der Pfarrkanzlei eine Karikatur auf: Von links nach rechts gehend ein afrikanischer Priester in weißer Soutane, auf seinem Koffer steht „Mission Europa“. In die Gegenrichtung marschiert ein europäischer Priester, der Europäer sieht dem Afrikaner verdutzt nach. „Der Europäer denkt sich: Was hat der Afrikaner da in seinem Koffer, was kann der aus Afrika für seine Mission schon groß mitbringen“, kommentiert Pfarrer Emeka Emeakaroha das Bild – es ist klar, dass er sich in der Karikatur selbst wiedererkennt. Denn dass er als Missionar hier ist, daran lässt Dr. Emeakaroah, geboren in Nigeria und zum Volk der Ibo gehörig, nicht den geringsten Zweifel.

 

Emeka wuchs in Umunohu in Ostnigeria auf – ein sehr einfaches Dorf: keine Kanalisation, kein Strom, keine Wasserleitung, Lehmstrassen, kleine Hütten. Weil seine Heimatdiözese eine Partnerschaft mit der Diözese St. Pölten im kühlen Österreich einging, landet der Student 1995 schließlich am Priesterseminar in Niederösterreich. Vier Jahre später wird er zum Priester geweiht und zum Kaplan in Ober Grafendorf ernannt. 2004 wird er Pfarrer in Weinburg, zusätzlich unterrichtet er Religion am Gymnasium in Lilienfeld.

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Pfarrer Emeka und die österreichischen Helfer in Ostnigeria

Was also bringt der afrikanische Geistliche in seinem Koffer mit nach Europa? „In meiner Heimat dauert eine Messe mindestens drei Stunden“, erzählt er, „niemand würde es verstehen, wenn schon nach 90 Minuten Schluss wäre.“ Sehr schnell musste er einsehen, dass man hier nicht länger als höchstens 50 Minuten in der Kirche sitzen will. „Aber ich versuche, diesen Spirit des Gemeinsamen in meine Pfarrgemeinde zu tragen.“ „Lobet den Herren!“ ruft er laut in seine Kirche. Und seine Gemeinde donnert ihm ein kräftiges „Halleluja!“ als Antwort entgegen. Pfarrer Emeka zieht Vergleiche: „In Afrika ist das Kreuz angesichts des vielen Leids sehr nachvollziehbar. Daher wird auch die Auferstehung sehr konkret empfunden: Sie lässt eine afrikanische Familie abends einschlafen, obwohl Vater und Mutter nicht wissen, womit sie morgen den Hunger ihrer Kinder stillen sollen.“

 

Im August 2009 reiste Emeka zum bereits dritten Mal mit 17 Österreichern in seine Heimat, im Gepäck tausende Brillen und Medikamente – gesammelt in Niederösterreich, für die Menschen von Umunohu. Die freiwilligen Helfer: Ärzte, Krankenschwestern, Optiker, Medizinstudenten. In drei Wochen wurden rund 3000 Patienten behandelt, Wunden versorgt, Medikamente und Brillen verteilt. Die Österreicher wohnten während ihres dreiwöchigen Aufenthalts am Hof von Emekas Familie, hier befand sich auch das improvisierte „Spital“.

 

Wir begleiteten den Pfarrer in seinen niederösterreichischen Gemeinden und in seiner Heimat Nigeria.

 

„kreuz & quer“, 15.9.2009 (35 min)

Ghostwriter

Der Zuschauer als Bestsellerautor.
Sie sind romantisch veranlagt und träumen davon, einen Liebesroman zu schreiben?
Sie sind Experte für zum Beispiel Alles und der Meinung, ein Buch würde ihren Marktwert erheblich steigern?
Sie sind prominent und davon überzeugt, dass die Welt nach Ihren Memoiren lechzt?
ABER SIE KÖNNEN NICHT SCHREIBEN!?!
Kein Problem, vorausgesetzt, Sie haben das nötige Kleingeld. Engagieren Sie ganz einfach einen Ghostwriter!
Wir zeigen Ihnen, was Sie tun müssen und was Sie der Spaß kostet!

 

Ghostwriting in der Literaturgeschichte und in der Gegenwart.
Selbst Goethe ließ schreiben. Teile seines „Wilhelm Meister“ etwa stammen aus der Feder seines Sekretärs Eckermann, auch Hauslehrer Riemer hat für den Dichterfürsten geschrieben. Was in der Malerei Gang und Gäbe war, nämlich die Arbeit einer Werkstatt für einen bestimmten Namen – heute würde man sagen: für eine Marke – kam durchaus auch in der Welt der Literatur vor: Dumas Vater und Sohn etwa beschäftigten über 70 Ghosts, die „Drei Musketiere“ oder „Die Kameliendame“ wurden von Ghosts verfasst. Weitere berühmte Autoren, die Ghosts benutzten: Brecht, Balzac, Scribe, Cocteau, Bertrand Russel, John Irving etc. Auch wenn nicht laut darüber geredet wird: Ghosts sind für Verlage mittlerweile unverzichtbar. Sie liefern zuverlässig und pünktlich, haben keine eigenen Ambitionen und sind „easy to handle“. Um die Mitarbeit eines Ghost zu verschleiern, werden sie oft einfach anders genannt: Sie heißen dann „Bearbeiter“ oder „Lektor“

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Ein Star und sein Ghost: Dagmar Koller und Senta Ziegler

Ghostwriting bei Autobiografien und Sachbüchern.
Kaum ein Promi hat seine Bio selbst verfasst, fast immer steht ein Geisterschreiber im Hintergrund – meist ungenannt. Auch Ratgeber, Fach- und Sachbücher werden nur selten von demjenigen geschrieben, der auf dem Cover steht: Weil der Finanzguru XY zwar vielleicht ein schlaues Kerlchen ist, aber weder die Zeit, noch das Können hat, ein Buch zu schreiben (und dieser Zeitaufwand vielleicht auch gar nicht bezahlbar wäre). Sechzig bis siebzig Prozent aller Non-Fiction-Bücher sind geghostet.

 

Zu Wort kommen Ghostwriter, Literaturagenten, Verleger und Dagmar Koller. Sie erzählt, wie sie mit Hilfe ihrer Ghostwriterin Senta Ziegler gerade ein neues Buch über den Verlust ihres Ehemanns schreibt.

 

„artgenossen“, 14.9.2009, (30 min)

Herztransplantation

Alfred Schneider, pensionierter Richter und frischgebackener Großvater, ist 65 und hat nur mehr wenige Monate zu leben – wenn er nicht bald ein neues Herz bekommt.

 

Daniel Zimpfer, Assistenzarzt und meistbeschäftigter Transplanteur am AKH, ist 28 und wird Herrn Schneider operieren – falls rechtzeitig ein Spenderherz angeboten wird.

 

Seit 25 Jahren werden am Wiener AKH Herztransplantationen durchgeführt. Die OP selbst ist – sagen die Herzchirurgen – nicht schwierig, eine Frage der Routine.

 

Was die Sache wirklich kompliziert macht, ist der enorme logistische Aufwand, der erforderlich ist, um ein Spenderherz aus irgendeinem Teil Europas innerhalb von maximal 4 Stunden nach Wien zu transportieren und im Empfänger wieder zum Schlagen zu bringen.

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Organtransport: Herz und Lunge werden im Privatjet eingeflogen

„Thema“ hat Herrn Schneider während der Wartezeit begleitet: Der psychische Druck, der auf dem Patienten und seiner Familie lastet, ist enorm. Jederzeit kann die Mitteilung kommen: „Ihr neues Herz ist da, die Rettung holt Sie in 20 Minuten ab“.

 

Und „Thema“ war während der dramatischen Stunden dabei, als endlich ein Spenderherz zur Verfügung stand und alles ganz schnell gehen musste: die Organisation von Rettung und Privatjet; die Koordination zweier Chirurgenteams für Entnahme und Transplantation; das Timing der fast zeitgleich beginnenden OPs an zwei verschiedenen Orten; und schließlich der berührende Moment, wenn das neue Herz in der offenen Brust des Empfängers zu schlagen beginnt.

 

„Herztransplantation“ ist übrigens ein Thema, das JEDEN betreffen kann: Erstens, weil es oft eine harmlose Grippe ist, die eine Herzerkrankung auslöst; und zweitens, weil in Österreich die sogenannte Widerspruchsregelung gilt: Jeder ist potentieller Spender, sofern er sich nicht dezidiert dagegen entscheidet.

 

„Thema“, 15.6.2009, (25 min)